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Will-Schaber-Preis 2016: Informantenschutz im digitalen Zeitalter

Sie bekamen einen besonders feierlichen Rahmen, die diesjährigen Will-Schaber-Preisträger, bildete die Prämierung des EX doch den offiziellen Abschluss des Jubiläumstags, mit dem der Studiengang Ende Oktober im Dortmunder U seinen 40. Jahrestag beging. Aber nicht nur der Tag war etwas besonderes, auch die aktuellen Preisträger (und alle diesmal 13 Bewerber) boten wieder sehr interessante Abschlussarbeiten. Der erste Preis ging an Daniel Moßbrucker, zweiter wurde Jonathan Focke, Nora Sonnabend belegte den dritten Platz.

Informantenschutz genießt im deutschen Recht keinen geringen Rang, immerhin dürfen Journalisten sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen, wenn sie glauben, dadurch ihre Hinweisgeber vor Schaden zu bewahren. Was aber, wenn man nur durch die Datenspur, die Journalisten hinterlassen, wenn sie surfen, telefonieren, kommunizieren, auf den Informanten kommt? Dass das doch recht einfach geht und dass es eigentlich hier neuer Regelungen bedarf, um die Lücke zu stopfen, hat Daniel Moßbrucker in seiner Arbeit gezeigt. Die Jury aus Schatzmeisterin Livia Rüger, zweitem Vorsitzenden Prof. Frank Lobigs und dem Vorsitzenden Armin Hingst war nicht nur von Thema und Erkenntnis angetan. „Für uns ist das auch deshalb einen ersten Preis wert, weil wir es mit einem Experiment zu tun haben, was selten genug in der Journalistik vorkommt", betont Hingst. Moßbruckers erster Preis ist mit 500 Euro dotiert.

 

Zweiter wurde Jonathan Focke mit einer Arbeit über „Publikumsbeteiligung im Wissenschaftsjournalismus". Ist das datengesättigte Rauschen In Facebook und Co. nicht doch mehr, kann sich daraus gar partizipativer Journalismus entwickeln? Bringen Posts, Kommentare und Antworten neue Erkenntnisse, stoßen sie Recherchen an, bieten sie Gelegenheit, Themen zu finden? Fockes Fazit: Seltener als man glaubt. Und wer fündig werden will, muss schon genau hinsehen. Focke erhält als Zweitplatzierter 300 Euro.

Der dritte Preis ging an Nora Sonnabend. Ihre Arbeit widmet sich den wachsenden urbanen Räumen. Immerhin leben schon jetzt 3/4 der Deutschen in Städten und es werden immer mehr. Dass junge Städter offensichtlich ein Informationsbedürfnis haben, das regionale Medien nur sehr schwer bedienen können, ist eines der Ergebnisse der Arbeit von Nora Sonnabend. Für ihre Arbeit mit dem Titel „Urbaner Lokaljournalismus – Eine stadtsoziologische Perspektive auf die lokale Berichterstattung für junge Erwachsene in deutschen Großstädten" gibt es 200 Euro.

Gelingt es den Kandidaten, innerhalb von zwei Jahren einen wissenschaftlichen Verlag zu finden, der die Arbeit druckt, legt der Ex-Verein noch einen Druckkostenzuschuss drauf. Das soll Erkenntnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses am Institut in der Scientific Community bekannter machen.

Der  EX e.V. verleiht den Will-Schaber-Preis normalerweise jedes Jahr zum Institutstag am ersten Freitag im Mai - diesmal aber wurde die Verleihung an die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des Studiengangs geknüpft. Benannt ist der Preis nach dem Publizisten Will Schaber (1905 bis 1996). Der 1905 in Heilbronn geborene Journalist begann als Feuilletonredakteur beim Neckar-Echo, ging nach Berlin und wurde später als Mitarbeiter der Arbeiterpresse von den Nationalsozialisten verhaftet und zur Emigration gezwungen. Schaber arbeitete dann unter anderem in der Tschechei, reiste 1938 in die USA aus, wurde dort Abteilungsleiter eines Informationsdienstes der britischen Regierung und später Redakteur der Emigrantenzeitschrift Aufbau, parallel dazu war er bis 1972 Präsident des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland. 1985 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Dortmund. Schon zu Lebzeiten hatte er seinen schriftlichen Nachlass dem Dortmunder Institut für Zeitungsforschung vermacht.

30. Oktober 2016, 08:38 Uhr